Alain Visser,
Vice President of Global Marketing and Sales, Geely Auto

Alain Visser in schlechter Laune anzutreffen, ist nahezu unmöglich. Der Belgier hielt bei Opel auch in schweren Zeiten durch und versuchte als Vertriebs- und Marketingchef, die traditionsreiche Marke im Image-Tief wieder sichtbar zu machen. Er heuerte junge Markenbotschafter wie die Sängerin Lena an und startete die spektakuläre Kampagne für eine "lebenslange Garantie." 2012 wechselte er zum Autobauer Volvo, wo er die Aufbruchphase nach der Übernahme durch den chinesischen Autokonzern Geely maßgeblich mitgestaltete. Die Krönung seiner Berufslaufbahn startete er aber erst vor kurzem. Seit Oktober vergangenen Jahres leitet Visser (52) als Vice President das Marketing und den Verkauf von Geely Cars.  Bei Geely hat Visser eine Schlüsselposition inne. Er kennt als einer der wenigen Spitzenmanager des chinesischen Herstellers das internationale Geschäft aus den verschiedensten Perspektiven und soll maßgeblich die Internationalisierung der bislang weitgehend auf den chinesischen Heimatmarkt beschränkten Marke vorantreiben. Seine neue Aufgabe in China sieht Visser selbst als Krönung einer langen Auto-Laufbahn an: "Die Aufgabe, beim Aufbau eines global agierenden chinesischen Automobilherstellers mitwirken zu dürfen, ist der Höhepunkt meiner Karriere."  Die Zielvorgaben für Visser bei Geely sind mehr als sportlich zu nennen: Denn Geely-Vorstandschef Li Shufu hat eindrucksvolle Wachstumspläne. 2007 hatte er das Ziel ausgegeben, bis 2015 zwei Millionen Fahrzeuge jährlich zu verkaufen – damals lagen die Verkäufe bei jährlich rund 300.000 Einheiten. Später korrigierte Shufu das Ziel auf 1,2 Millionen Einheiten bis zum Jahr 2019 – doch auch diese Perspektive ist für Visser und sein Team durchaus als sehr sportlich zu bezeichnen. Im vergangenen Jahr verkaufte Geely weltweit 450.000 Fahrzeuge.  Visser gilt als Freidenker und Macher. Zu viele Regeln sind ihm ein Gräuel, etablierte Prozeduren hinterfragt er gerne und in die Welt von jungen Leuten, die gut und gerne 20 Jahre jünger sind als er, taucht er gerne ein. "Die Autoindustrie ist schrecklich konservativ, arrogant und zum Teil völlig losgelöst von den neuen Bedürfnissen der Verbraucher," lautet sein Befund. Sein Rezept dagegen: "Diese hundert Jahre alte Industrie muss aufgerüttelt werden." Kein Wunder, dass die Zeitschrift Forbes Visser schon zweimal zu einem der zehn einflussreichsten Marketing-Vorstände der Welt gekürt hat.  Bei Volvo entschied der Belgier unter anderem, dass die schwedische Marke künftig nur noch auf einer großen Automesse pro Kontinent Flagge zeigen wird. In der Branche sorgte das damals für Aufsehen – inzwischen aber überlegen viele andere Autobauer, ihre Messebudgets zu Gunsten "sozialer" und "viraler" Aktivitäten einzudampfen.  Für sein Eintauchen in die chinesisch-asiatische Kultur ist Visser gut gerüstet: er ist diplomierter Übersetzer, spricht sechs Sprachen und hat sich dank seiner Kontaktfreudigkeit und seines Humors noch bei jedem neuen Job in kürzester Zeit ein beachtliches Netzwerk aufgebaut. Visser machte einen MBA an der Duke-Universität in North Carolina. Seine Autokarriere startete er bei Ford. Dort hatte er sich über internationale Stationen hinweg bis zum Managing Director von Ford Benelux hochgearbeitet, bevor er 2004 zu Opel wechselte. Michael Knauer